Verzweiflung

Ich wollte über unsere nächsten Schritte in Sachen Kinderwunsch schreiben. Aber es kam ein Gefühl dazwischen.

Es gibt Tage an denen fühle ich mich gut. Weil es doch noch ein Leben neben dem Kinderwunsch gibt, ich alles Negative verdränge oder einfach schöne Dinge passieren. Manchmal habe ich dann sogar das Gefühl irgendwann abschließen zu können; kinderlos glücklich zu werden. Es gibt aber auch die schlechten Tage, an denen Missmut, Angst und Traurigkeit mich zu einem großen Teil bestimmen.
Und es gibt Tage, an denen die Verzweiflung mir unerwartet in die Fresse schlägt, ich hinfalle, aufstehe, wegrenne und mir dabei jemand gegen die Beine tritt. So ein Tag ist heute. 

Eine meiner besten Freundinnen wollte mich unbedingt treffen da sie mir etwas erzählen wollte. Wir verabredeten uns zu einem kurzen Spaziergang. Da ich in der letzten Zeit beruflich und privat viel unterwegs war haben wir uns eine ganze Weile nicht gesehen. Ich habe mit vielem gerechnet, neuer Job, neue Wohnung, Ärger mit dem Mann …

„Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll. Ich habe Angst, dass … Wenn du danach erstmal eine Pause von mir und unserer Freundschaft brauchst kann ich das verstehen …“
– „Raus damit!“
„Ich bin schwanger.“

Ich bin schwanger. ich bin schwanger. Ich bin schwanger. Ich bin schwanger.
Mir wird schwindelig. Reiß dich zusammen. Nimm sie erstmal in den Arm. Das gibt dir ein paar Sekunden zum nachdenken und dich sammeln. Keine Tränen. So. Jetzt lächeln!

– „Ich freu mich für dich. Klar. Ich dachte schon es wäre was schlimmes.“

Das ist meine Hölle. Und nun? Sie war eine meiner engsten Ansprechpartnerinnen in Sachen Kinderwunsch. Jetzt ist sie schwanger. Damit kann ich nicht umgehen.

„Puh. Du freust dich? Ich dachte schon das wäre fürchterlich für dich und du würdest erstmal in Tränen ausbrechen.“
– „Ne. Quatsch. Ich freu mich.“

Was mache ich hier? Ich kann sie doch nicht anlügen. Doch! Ich muss …

Meine und somit unsere Schritte werden schneller. Schnell zurück zum Büro. Ich muss arbeiten. Noch ein bisschen Smalltalk, ein Ultraschallbild auf dem Handy. Keine Tränen! 

Schnell verabschieden. Schnell rein. Zur Toilette. Die Tränen wollen fließen.

Ich liebe diese Frau. Eine meiner besten Freundinnen. Und ich kann mir gerade nicht vorstellen sie in der nächsten Zeit wieder zu sehen. Ich kann mir nicht mal vorstellen mit ihr zu telefonieren oder zu schreiben. Am liebsten würde ich gerade den Kontakt abbrechen.
Ich möchte nicht missgünstig sein; aber ich beneide sie. Erster Versuch auf natürlichem Wege und zack, positiv. Und wir so … Ach.

Ich wünsche mir echte Freude zu verspüren. Weil ich glaube, dass das richtiger wäre. Macht die Sehnsucht nach einem eigenen Kind mich zu einem selbstsüchtigen und egoistischen Menschen?

Zu Hause weine ich erstmal eine Weile in den Armen meines Mannes. Wortlos.
In mir spüre ich Verzweiflung. Und Angst. Und Schmerz.

Es gibt auch diese Tage. Ich hasse sie.

 

Autor: Die Sache mit dem Storch

diesachemitdemstorch klappt nicht. Das ist meine Geschichte.

2 Kommentare zu „Verzweiflung“

  1. Ach Süße, wir alle kennen dieses Gefühl nur zu gut. Es ist furchtbar! Eines vorneweg: Du darfst neidisch sein. Du darfst auch wütend – aber besser nicht auf sie. Sie kann nichts dafür! Ich rate dir aus eigener Erfahrung, sei ehrlich. Sag ihr, wie es dir geht. Mit dem Lügen quälst du dich nur und sie wird es merken. Ich hab mittlerweile einige Schwangerschaften von Freundinnen durch… anfangs heuchelte ich, dieses Freundschaften sind nicht mehr so eng. Doch zu den Freundinnen, wo ich ehrlich meine Sorgen und Gefühle offenbarte hab ich nun ein noch engeres Verhältnis. Zu sehen, dass sie sich bemühen, mir die Sache zu erleichtern, half mir und vertiefte unsere Gefühle.
    Es kommt natürlich auch sehr auf die Empathie der Schwangeren an. Ich wünsche euch einen guten und ehrlichen Umgang mit ihrer Schwangerschaft. Hätte ich mich damals nicht geöffnet, hätte ich sooo viel Tolles verpasst! Lg

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