diesachemitderanonymität

Das Thema Anonymität und der offene oder eben nicht offene Umgang mit dem Kinderwunsch verfolgt mich eine ganze Weile. Gestern hat mich ein Tweet von @knitterfee noch mal daran erinnert wie doof die Situation eigentlich ist.

Hier und als @_mitdemstorch bei Twitter bin ich vollkommen anonym und begrenze mich in Postings und Tweets auf das Thema Kinderwunsch. Daneben habe ich weitere Accounts wo ich unter meinem Klarnamen poste, twittere, instagramme, pinne, snapchatte und so weiter. Warum diese Trennung? In erster Linie wohl weil viele Menschen in meinem Umfeld gar nichts von unserem Wunsch wissen. Ein Teil der Familie, einige Freunde, meine Chefs und wenige Kollegen wissen Bescheid. Aber ein Großteil meiner Familie, durchaus auch ein nicht kleiner Teil unseres Freundeskreises wissen eben nichts davon. Nicht weil ich deren Reaktion fürchte; sondern weil ich nicht mit jedem darüber reden möchte.

Es tut mir gut, dass nicht jeder darüber Bescheid weiß und das nicht jeder immer mal wieder ein Update dazu möchte. Für mich fühlt sich das so am Besten an.

Aber genau das ist auch meine Zwickmühle: Denn ich bin sicher, dass es wichtig ist dieses Thema offen anzugehen. Ich bewundere die Frauen und Männer, die mit ihrem persönlichen Kinderwunsch und dem damit einhergehenden (Leidens-)Weg so offen umgehen. Das ist unglaublich gut. Das ist mutig und hilfreich. Ich finde es auch toll deren „andere Seite“ verfolgen zu können. Eben deswegen:

Wir sind alle mehr als unser Kinderwunsch. Klaro! Voll!
Aber ich habe Angst. Angst davor zu häufig oder im falschen Moment mit dem Thema konfrontiert zu werden. Indem ich mit mit meinem Namen und meinem Gesicht offen zu dem Thema stehe kann jeder Hans und Franz mich auf das Thema ansprechen. Davor habe ich richtige Angst.
Und diese Angst hindert mich daran.

Mich würde interessieren wie die Erfahrung der Bloggerinnen und Blogger ist, die offen damit umgehen? Ist meine Angst unbegründet? Wird es euch nicht auch manchmal zu viel? Werden eure Grenzen manchmal überschritten?

Unser Umgang mit dem Kinderwunsch?

Unseren besten Freunden haben wir es zuerst erzählt. Sie wussten schon früh von unseren Plänen und waren quasi immer live dabei. Danach folgten meine Schwiegereltern und eine Schwägerin zu denen ich und wir ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis haben. Im Laufe der Zeit haben wir noch ein paar weiteren Freunden davon erzählt. Aus ganz praktischen Gründen wie zum Beispiel den häufigen Klinikbesuchen am Morgen oder den Krankmeldungen zu Punktion und Transfer et cetera habe ich meinen Chefs davon erzählt. Ich muss dazu schreiben, dass meine Chefs gleichzeitig gute Freunde von meinem Mann und mir sind.

Immer wieder mal habe ich das Gefühl viel offener mit diesem Thema umgehen zu müssen. Schließlich beeinflusst es unseren Alltag, unsere Pläne und unser Leben enorm. Bis dato haben wir uns aber dagegen entschieden. Weil ich mich wie bereits geschrieben nicht danach fühle. Und weil ich glaube, dass es mich zu sehr belasten würde.
Wie geht ihr damit um?

Aber hey, klar bin ich mehr als meine Sehnsucht nach einem Kind. Ich bin sehr viel mehr. Und jeder und jede die mehr über mich wissen möchte kann mich gerne nach meinen weiteren Accounts fragen. Manchmal ist es sicher ganz schön zu erfahren wer der Mensch hinter dem Kampf um ein eigenes Kind ist.

Autor: Die Sache mit dem Storch

diesachemitdemstorch klappt nicht. Das ist meine Geschichte.

4 Kommentare zu „diesachemitderanonymität“

  1. Huhu 🙂
    Ich gehe seit meiner ICSI sehr offen mit fast allen um. Fast- genau das ist der Punkt. Da fehlen welche. Und das sind meine Kollegen und Chefs. Nach nunmehr einigen Arbeitgebern habe ich mitbekommen, wie Kinderunfreundlich viele damit umgehen. Hat auch nur eine Kollegin geäußert, sie wolle Kinder, kam die Abmahnung und die Kündigung wegen lapalien. Oder die Damen haben erst gar nicht die Probezeit geschafft. Von mein Chef weiss ich (den ich sehr mag und wir auch ab und zu privat etwas unternehmen), dass er schon bei Auswahlverfahren online schmökert & die Kollegen (ob Dame oder Herr) ausspioniert. Und so macht das sicher zu 95% jeder Personaler & Chef. Ich könnte mir vorstellen, dass mein Chef sicher nichts gegen hätte, würde ich meinen Wunsch äußern. Aber wie sieht es der Chef eine Etage höher? Der strang anmaßende und immer fehlersuchende? Da wir als Team viel teilen, muss man aufpassen, was man online von sich gibt und privat. Ein Bild zu viel gezeigt & geteilt, könnte somit den Traumjob gefährden. Und wer will das schon? Wer kann sich das heut zu Tage überhaupt noch leisten?

    Zum Thema Freunde und Familie; hier hat sich nach Jahren und Monaten gezeigt, es ist richtig zu sagen was Phase ist. Meine drei besten Freundinnen wissen es seit Jahren und sie bringen viel Verständnis mit. Kaum dumme Sprüche (die von mir so empfunden werden) kommen. Und wenn doch, wars doch eher lieb gemeint. Vor der beschlossenen ersten ICSI haben wir es der Familie gesagt. Auch hier kam mehr als nur Verständnis. Wir müssen uns nicht rechtfertigen. Benötigen keine Ausreden mehr. Auch das Lügen, warum wir nicht zum Familientreffen können (aufgrund Behandlung), ist nun nicht mehr nötig. Nach und nach erzählten wir es auch Bekannten. Haben von vornherein keine Details genannt. Nur: „Wir können keine Kinder bekommen & bitten euch darum, uns auf dieses Thema anzusprechen oder Anspielungen zu machen, wann denn das erste Baby kommt. Warum wir keine bekommen können, ist uns zu intim, zu sagen.“ Damit war bei jedem das Thema gegessen. Wir haben unsere Ruhe 🙂 Wenn es sich ergeben hat, hat man mal grob etwas erzählt. Aber eher selten.

    Grenzüberschreitungen gab es bisher nur von unseren Müttern. Da kamen dann Sprüche, Erwartungen etc. Aber eher, weil sie uns schützen wollen & nicht verletzen. Aber diese Grenzen kennen sie nicht. Können sie auch nicht einschätzen. Weil sie nie in dieser Lebenslage waren.

    LG
    Poppy

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich habe darüber ja auch schon mal ausführlicher geschrieben:
    http://knitterfee.de/2016/04/08/kinderwunsch-behandlung-geheim-halten-oder-nicht/
    und hoffe, für den Link lande ich jetzt nicht im Spamfilter 😉
    Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, im Netz mehr zu teilen als direkt im persönlichen Kontakt. Die Dummheit der Menschen, die einem dann mit dem Entspannungskram und ähnlichen Dämlichkeiten kommen, verletzt und verärgert mich im direkten Kontakt viel mehr als im Netz.

    Wir gehen aus den bereits im Artikel genannten Gründen so offen damit um.
    Irgendwie halt als Stellvertreter für alle, die nicht können oder wollen.
    Und es ist ja auch immer nochmal leichter, wenn man wie ich ohnehin schon unter einem Pseudonym unterwegs ist. Andererseits wär’s mir, wenn ich von Anfang an unter meinem Realnamen im Netz unterwegs gewesen wäre, auch heute pupsegal 😀

    Ich würd mir eben einfach ein, zwei mehr von unserer Sorte wünschen. Ansonsten kämpft es sich echt einsam an der Offenheits-Front – und meine „Kritik“ an den reinen Kinderwunsch-Accounts gilt genauso jemandem, der einen reinen Maulwurfsbeobachtungs-Account hat oder einen Strick-Account. Als Teil des ganzen Menschen ist sowas total spannend, aber selbst wenn man wirklich wirklich gerne Maulwürfe beobachtet, so will man doch evtl auch wissen, ob derjenige beim Maulwürfe beobachten Kaffee trinkt oder Bier. Vereinfacht gesagt.

    Gefällt 1 Person

  3. Ach ach, schwieriges Thema. Bei Twitter ist es so, dass mein Account schon ein paar Jahre besteht und deshalb automatisch kein reiner KiWu-Account ist (auch wenn die Prioritäten sich natürlich immer mal wieder verschieben). Als ich mit der Behandlung angefangen habe, habe ich überlegt, einen separaten Twitteraccount anzulegen, mich dann aber dagegen entschieden. Ich bin auf Twitter weitestgehend anonym unterwegs und die paar Follower, die ich auch aus dem RL kenne, denen vertraue ich einfach (ich twittere eh so viel Unsinn, was soll’s). Reine KiWu-Accounts finde ich als Leserin auch immer ein bisschen schade, ich kann es aber irgendwie nachvollziehen.
    Im „echten“ Leben sieht es so aus, dass wir nur sehr wenige Menschen eingeweiht haben. Während der Behandlung wussten es eigentlich nur die, die mir auch bei Twitter folgen und meine Führungskraft. Mir der Schwangerschaft kam dann für uns die Frage auf, wie wir weiter mit dem Thema umgehen wollen und wir haben uns entschieden, die Entstehungsgeschichte unseres Kindes nicht offen zu kommunizieren. Das heißt nicht, dass ich es niemandem erzähle (ich bin sogar recht freigiebig) aber man könnte halt noch viel offensiver damit umgehen und vielleicht dadurch anderen Paaren zeigen, dass sie nicht allein sind und das Thema mehr in die Öffentlichkeit bringen. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen, weil ich unser Schweigen anderen gegenüber unfair finde aber irgendwie siegt halt doch die Selbstfürsorge…

    Gefällt 1 Person

  4. Ist zwar nicht mehr so aktuell, aber vielleicht dennoch von Interesse: Wie man damit umgeht ist eine Typfrage. Ich glaube es hat gar nicht so viel mit Mut oder Angst zu tun, ob man mit dem KiWu nun offen umgeht oder eben nicht. Es ist wohl mehr eine Sache des ‚ertragens‘. Ertrage ich es jederzeit mit dem KiWu konfrontiert zu werden oder ertrage ich es nicht? Brauche ich zwischenzeitlich Abstand oder möchte ich jederzeit darüber reden, wo und wann es mir beliebt. Als mir bzw. uns bewusst wurde, es wird nicht ohne Hilfe gehen, da war das zunächst eine Sache zwischen mir und meinem Mann plus wirklich ganz enger Familie. Aber mit den Jahren und der tausendsten Frage: „Und? Habt ihr auch Kinder? Nein?! Wieso das denn nicht, ihr seid doch schon eeeewig zusammen und jünger werdet ihr auch nicht! Ach, ihr versucht es schon länger? Ihr seid sicher total unentspannt. Denkt einfach nicht mehr dran, dann klappt das.“ Da ist zumindest mir der Kragen geplatzt. „Sorry, aber wenn keine Spermien da sind, bringt weder ein Urlaub, noch Entspannung, noch ein verdammter Stellungswechsel was!“ BAMM. Das hat gesessen. Mundtot. Wunderbar. Himmlisch! Naja und seither bin ich mit dem KiWu immer offen umgegangen. Hat wer gefragt und ich war in Stimmung, dann hab ich der bedauernswerten Person zuweilen meinen kompletten Behandlungsplan der letzten Jahre um die Ohren geschlagen. Hatte ich keinen Bock, hab ich’s umschifft und bin bei „Ja, ja wir probierens noch“, geblieben. Aber generell? Ich? Sowieso immer offen und ehrlich und ohne Rücksicht auf Verluste. Mein Mann wäre übrigens einer von denen gewesen, die das lieber NICHT an die große Glocke gehangen hätten. Da wusste nicht mal seine Familie bescheid. Bzw. die hat erst etwas von dem ganzen Drama erfahren, als es bei uns dann nach 9 Jahren endlich geklappt hat. – Mir hat es im übrigen sehr geholfen, dass ich während der Zeit des KiWus immer Begleitung hatte und das es sich dabei nicht unbedingt ausschließlich um meinen Mann gehandelt hat. Familie/Freunde und die damit verbundene Anteilnahme bei Erfolgen und auch Rückschlägen haben mir gut getan. Lg Tally

    Gefällt 1 Person

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