Zwischen Leben und Tod

Heute ist mein neunter Zyklustag und ich befinde mich mitten in ICSI Nummer 6, unserer zweiten ICSI im Spontanzyklus; und gleichzeitig sehr sicher unserer letzten. Wir haben keine großen Hoffnungen, dass es tatsächlich zu einem Transfer kommt. Aber wir wünschen es uns natürlich sehr.

Heute ist auch Tag 9 nachdem meine Mutter die fürchterliche Diagnose Krebs in einem sehr fortgeschrittenen Stadium erhielt. Sie hat nur noch wenige Monate Leben vor sich. Das verändert alles.

Seit neun Tagen fahre ich nun auf einer gnadenlosen und bitteren Gefühlsachterbahn. Ich bin gespalten zwischen dem Wunsch nach einem Kind und der Angst vor dem Tod meiner Mutter. Morgens besuche ich Labor und Klinik zur Blutabnahme und zum Ultraschall und abends kümmere ich mich um Patientenverfügungen, Krebs-Therapien und am wichtigsten: meine Mutter. Und zwischendurch lebe ich „mein ganz normales“ Leben: mit meinem Mann, meinem Beruf, meinen Freunden, meinem Alltag.

Wie oft habe ich mir schon vorgestellt wie es wäre meinen Eltern zu sagen, dass sie Großeltern werden. Und jetzt soll genau das niemals Wirklichkeit werden. Das schmerzt ungemein. Und dann überkommt mich kurz das Gefühl: Vielleicht klappt es dann aber genau jetzt. Deswegen! Damit ich ihr das noch sagen kann. – Deswegen? So ein Quatsch. Es gibt kein „deswegen“. Und es ist unwahrscheinlich, dass es zu einem Transfer kommen wird. Das ist so einfach und eben auch einfach so. Und die Wahrscheinlichkeit wird nicht größer weil der „Scheiße-Grad“ in meinem Leben zunimmt.

Beim gestrigen Ultraschall wurde der erste Follikel mit einer Größe über 13mm gemessen. Deswegen spritze ich seit gestern auch abends Gonal F 75 und morgens Cetrotide. Morgen früh muss ich wieder in die Klinik. Und im Anschluss zu meinen Eltern, wo ich dann bis Sonntag bleibe. Ich rechne mit der Punktion am nächsten Donnerstag. Ein Hotel habe ich zur Sicherheit schon mal gebucht.

Zur Akupunktur gehe ich nicht mehr. Lediglich die TCM-Granulate nehme ich weiterhin. Gegen die Akupunktur habe ich mich aus dem Bauch heraus entschieden. Ich glaube einfach nicht an die Wirkung. Und der Glaube daran ist vermutlich wichtig. Und daher habe ich spontan die Behandlung abgebrochen. Das Geld was ich wöchentlich dafür investiert habe stecke ich nun in Massagen … Die entspannen mich auch – ganz ohne zu pieksen. Aber darüber schreibe ich nochmal ausführlich.

Das ist alles gerade sehr viel. Tatsächlich geht es von Tag zu Tag besser. Es kommen nicht mehr so viele Tränen. Ich habe sogar seit zwei Tagen gar nicht mehr geweint.
Egal was ich jetzt tun würde, ändern kann ich nichts. Ich kann weder meine Mutter heilen noch kann ich meinem Mann und mir ein Kind zaubern. Ich kann nur versuchen das beste aus allem zu machen: Viel gute Zeit mit meinen Eltern verbringen und meinen Optimismus in Sachen Kinderwunsch behalten. Sollte es nächste Woche nicht zum Transfer kommen haben wir schließlich einen Monat später unsere erste Konsultation zum Thema Eizellspende. Egal was passiert: Es geht weiter. Und ich mache das beste daraus. Versprochen!

 

Autor: Die Sache mit dem Storch

diesachemitdemstorch klappt nicht. Das ist meine Geschichte.

2 Kommentare zu „Zwischen Leben und Tod“

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