Rückblick – Ausblick

Einige Wochen sind ins Land gezogen. Der Herbst ist fortgeschritten. Morgen öffnen die Weihnachtsmärkte. Es ist viel passiert und es wird viel passieren. Ich möchte euch kurz von meinen letzten zwei Monaten berichten und euch auch einen kleinen Ausblick geben auf das was kommt …

Nach der letzten erfolglosen ICSI im natürlichen Zyklus in Belgien und der ernüchternden Diagnose Krebs meiner Mutter musste ich mich eine Weile zurückziehen. Ich hatte keine Muse zu schreiben und wollte mich auch gar nicht mitteilen. Twitter las ich ab und zu. Allerdings fiel es mir schwer immer wieder mit der Trauer und den Erfahrungen anderer in meiner Twitter-Kinderwunsch-Filterblase konfrontiert zu werden. Ich brauchte die Zeit. Und nun bin ich wieder da.

Rückblick: ICSI Nummer 6
Nachdem kein Transfer zustande kam war unsere Enttäuschung und Wut erstaunlich gering. Klar haben wir geweint, gelitten und getrauert. Aber zu dem Zeitpunkt wog die frische Krebs-Diagnose meiner Mutter einfach mehr. Da wir ja auch bereits eine erste Konsultation zum Thema Eizellspende mit einer tschechischen Klinik vereinbart hatten war auch die obligatorische Frage nach dem weiteren Vorgehen geklärt.
Weder mein Mann noch ich hatten das Bedürfnis das Ergebnis en detail aufzuarbeiten. Wir haben uns nicht mal mehr um ein Abschlussgespräch mit unserem behandelnden Professor bemüht. Mit etwas Abstand glaube ich sagen zu können, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits damit abgeschlossen hatten, dass wir auf diesem Weg Kinder bekommen können. Kinder, die genetisch von uns beiden abstammen. Wir waren gedanklich bereits in der Vorbereitung des nächsten Schritts. Das hat uns geholfen.

Vor etwa drei Wochen erhielten wir den Abschlussbericht aus unserer belgischen Klinik. Daraus erfuhren wir dann erstmalig, dass sich die Eizelle tatsächlich geteilt hat; an Tag 3 jedoch von so schlechter Qualität war, dass die Ärzte sich gegen einen Transfer entschieden haben. Das erklärt für uns nun jedoch den fehlenden Anruf an Tag 2 nach Punktion.
Außerdem erfuhren wir hier, dass sich die Spermienqualität meines Mannes enorm verbessert hat. Im Vergleich zur vorherigen ICSI hat sich die Spermienanzahl verdreifacht und die Qualität derer sich noch weiter gesteigert. Ein Hoch auf Tamoxifen und die ganzen Vitamine; insofern sie denn verantwortlich sind.

Wir haben uns kurz gefreut, dass wir es doch nochmal geschafft haben, eine Eizelle zur Teilung zu bewegen. Aber an unserem Entschluss es nicht weiter mit meinen Eizellen zu versuchen hat das nichts geändert.

Traditionelle chinesische Medizin
Recht schnell nach der negativen ICSI habe ich alle TCM Behandlungen eingestellt: Keine Tees und keine Akupunktur mehr. Ich habe einfach nicht wirklich dran geglaubt. Das Geld was ich bis dahin in die wöchentlichen Sitzungen und Granulate investiert habe fließt ab sofort in Massagen. Die entspannen mich wesentlich mehr als Nadeln und ich glaube, sie sind genauso wirkungsvoll.

Die erste Konsultation zum Thema Eizellspende
Etwa vor einem Monat machten mein Mann und ich uns dann schick, drapierten uns selbst möglichst vorteilhaft am Küchentisch und brachten meinen Laptop in Position. Am Mittag hatten wir einen Termin mit unserer möglichen Ärztin via Skype. Pünktlich bekam ich eine Kontaktanfrage. Die Koordinatorin, mit der ich bereits vorab regen und sehr netten Kontakt hatte schrieb, dass wir uns bitte noch ein paar Minuten gedulden sollten, die Ärztin würde sich gleich melden. Und so geschah es dann auch.
Sie war uns gleich sehr sympathisch. Die Koordinatorin winkte auch nochmal in die Kamera bevor wir uns ins Gespräch vertieften.
Wir konnten alle Fragen klären, bekamen einen detaillierten Einblick in den möglichen Behandlungsablauf, die Kosten und den Zeitplan. Wir einigten uns darauf, dass wir so schnell wie möglich starten wollen.

Und da sind wir nun: Eizellspende
Wir fliegen morgen nach Prag. Dort haben wir am Dienstag einen Termin mit unserer behandelnden Ärztin und Koordinatorin. Mein Mann wird eine Spermaprobe abgeben, die kryokonserviert wird. Außerdem wird uns beiden Blut abgenommen; Klassiker. Im Anschluss erhalten wir die benötigten Rezepte, die wir dann auch gleich in Tschechien einlösen können.
Im Dezember erhalten wir Informationen zu einer möglichen Spenderin. Wenn wir einverstanden sind beginnen sie und ich zur Zyklusangleichung mit der Pilleneinnahme. Und wenn dann alles gut geht findet in der ersten Februarwoche der erste Transfer von zwei Embryonen statt.

Es gibt soviele Themen über die ich jetzt noch schreiben könnte: Kosten, der Entscheidungsprozess, Ethik, etc …
Aber für heute möchte ich es dabei belassen. In den kommenden Wochen melde ich mich wieder regelmäßig.

Drückt mir die Daumen für unseren Termin am Dienstag. Habt ihr Tipps für Prag?

Ach so. Und wie geht’s meiner Mutter?
Meiner Mutter geht es soweit gut. Mehr möchte ich dazu hier im Blog nicht mehr schreiben. Das versteht ihr sicher.

Autor: Die Sache mit dem Storch

diesachemitdemstorch klappt nicht. Das ist meine Geschichte.

6 Kommentare zu „Rückblick – Ausblick“

  1. Wie schön von dir zu hören 😘! Ich drücke die Daumen für euren Termin und wünsche euch tolle Tage in Prag. Ich war schon zweimal auf Klassenfahrt dort und bin sehr angetan von der Atmosphäre dort… auf jeden Fall solltet ihr einen abendlichen Spaziergang zur Burg machen und rückwärts Stadt einwärts über die Karlsbrücke schlendern. Je nach Wetter kann eine Bootsfahrt nett sein. Das Kafka Museum ist gut, das Ost-Museum eher so zum durch laufen und gucken. Die spanische Synagoge und das Judenviertel sollte man gesehen haben, vielleicht sogar mit Führung, falls ihr Zeit habt. Und natürlich muss man Mittags mal vorm Rathaus stehen bleiben und das UhrenSpiel ansehen. Ansonsten unbedingt irgendwo Kuchen oder Backwerk probieren 😉. .. gibt überall so Stände wo sie das frisch backen, die riecht ihr von weitem…bei kühlen Temperaturen sehr gut! Macht euch ein paar schöne Tage. Alles Liebe

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  2. Gut zu hören, dass Ihr Euch soweit wieder berappelt habt. Es tut mir so leid, dass das Elend mit dem unerfüllten Kinderwunsch gerade Elend Nr. 2 ist. Das ist einfach so unfair!
    Was Du über ICSI 6 schreibst, kommt mir sehr bekannt vor aus meiner ICSI 4. Ich kann den Entschluss, so nicht weiter zu machen, sehr gut verstehen und finde es super, dass Ihr das schon angegangen seid. (Klammer auf: Ich weiß, Ihr habt das alles schon eingetütet, und ich sage das auch nur einmal, aber einmal sage ich es: Gametenspende in Tschechien bedeutet für das Spenderkind, dass es niemals die Möglichkeit haben wird, den/die SpenderIn kennenzulernen. Ich weiß aus eigener Erfahrung noch, dass dieser Gedanke bei Euch nicht gerade oberste Priorität hat. Rückblickend würde ich mir für uns aber wünschen, wir hätten auf diese Sachen bei der Wahl der Samenbank geachtet. Klammer zu.) Alles Gute für Eure Reise. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht! Liebe Grüße, Tina

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    1. Liebe Tina,
      danke für deine lieben Wünsche. Und vor allem auch Danke für deine ehrlichen Worte und Gedanken.
      Wir haben uns damit beschäftigt. Vor einem Jahr als unser Thema noch Samenspende war haben wir mit einer Samenbank kooperiert, die Spenderdaten 100 Jahre bewahrt und dem Kind ab dem 18 Lebensjahr auf Wunsch zur Verfügung stellt. Das fanden wir gut. Vor allem weil wir uns immer einig waren das Kind früh über seine Entstehung aufzuklären.
      Jetzt, da das Thema Eizellspende lautet, haben wir uns aufgrund der kurzen Wartezeit, der Sympathie und der Antworten auf unsere Fragen für eine Behandlung in Tschechien entschieden. Erstmal unwissend, dass es hier nicht die Möglichkeit für das Kind gibt, die Spenderin jemals kennenzulernen. Und ja, du hast Recht: Es war dann auch nicht unsere oberste Priorität. Nichtsdestotrotz haben wir darüber diskutiert und abgewogen. Wir akzeptieren das. Wir werden, sollten wir es tatsächlich schaffen mit Hilfe einer Spenderin ein Kind zu bekommen, dieses Kind offen und einfühlsam über seine Entstehung aufklären. Und das Kind wird damit leben müssen, dass es seine genetische Mutter niemals kennenlernen kann. Und mein Mann und ich müssen damit leben, dass vorgeworfen zu bekommen. Aber wir trauen uns das im Moment zu. Wir vertrauen auf uns und unsere Familien. Und hoffen, damit keinen Fehler zu machen. Aber wer weiß das schon im voraus?
      Wie ist deine Erfahrung jetzt? Warum bereust du eure Entscheidung?
      Ganz herzliche Grüße!!

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      1. Das klingt nach einer sehr ausgewogenen Entscheidung. Ich würde es vielleicht ähnlich machen. Ja, wir bereuen schon, zu einer Samenbank gegangenen zu sein, die bekannt dafür ist, die Daten weder zu einem Notar noch an die Kinder direkt einfach herauszugeben. Wir hätten uns besser informieren sollen. Jetzt sind die Kinder da und „bereuen“ ist daher etwas abstrakt, aber könnte ich nochmal entscheiden, würde ich zu einer Samenbank wie eurer gehen und wünschte, mir hätte das damals jemand gesagt. In eurem Fall ist es jetzt einfach so und ihr werdet eurem Kind das sicher gut erklären können. Alles, alles Gute!!!

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