Die Straße ist nicht immer eben und grad‘ deswegen: Auf das Leben!

Nach der erfolglosen Eizellspende entschieden wir uns gleich im Folgezyklus für eine Embryonenspende. Es wurden zwei Blastozysten transferiert. Leider war der Test zwei Wochen später negativ. Jetzt (wieder im direkten Folgezyklus) findet ein weiterer Transfer statt.

Ich musste mich eine Weile zurück ziehen. Und einen Behandlungszyklus musste ich auch ohne euch durchziehen. Mir fehlten die Worte. Auch heute fällt es mir schwer meine Gefühle zu formulieren.
Der Tod meiner Mutter rückt immer näher. Ich kann ihn schon fühlen. Wir verabschieden uns. Ich sehe sie gehen. Das ist fürchterlich schwer. Der vermutlich schwerste Abschied.
Und trotzdem hat mich und meinen Mann die Ungeduld getrieben. Nach der erfolglosen Eizellspende haben wir viel geredet, recherchiert, mit unseren Ärzten diskutiert und uns schlussendlich zu einer Embryonenspende entschlossen.

Wir konnten gleich im Folgezyklus weiter machen, erhielten zeitnah eine Spenderin und einen Spender, die unseren äußeren Merkmalen entsprechen. Es folgte die Punktion und die ICSI. Das Ergebnis hat uns überwältigt. Es konnten fünf (!) Blastozysten in bester Qualität eingefroren werden.
Parallel dazu konnten bei mir im Ultraschall an Zyklustag 11 leider nur winzige Follikel festgestellt werden. Die Gebärmutterschleimhaut war allerdings auch aufgrund des Estrofems schon sehr gut aufgebaut. Die Ärztin entschied sich ohne Auslösen des Eisprungs fortzufahren. Ich begann mit der Einnahme von Utrogestan, Aspirin und Progestan und wenige Tage später flogen mein Mann und ich dann zum Transfer nach Tschechien.
Zwei Blastozysten wie aus dem Lehrbuch ließen sich problemlos auftauen und zum Leben erwecken. Wir waren glücklich.

Und irgendwie mach ich das schon! Schlimmer wird’s von ganz allein. Und trotzdem bleibt es immer gleich, ich schlage auf und stell mir vor, was wäre wenn’s noch schlimmer wird, den immer gleichen Satz im Ohr:
Dass Atmen sich wohl trotzdem lohnt, das Schicksal niemals wen verschont, die Straße ist nicht immer eben und grad‘ deswegen: Auf das Leben!

Noch am Abend des Transfers flogen wir wieder nach Hause. Und gleich am nächsten Tag fuhr ich zu meiner Mutter. Der Krebs hat sie sehr schwer gezeichnet. Sie braucht bei den alltäglichsten Dingen Hilfe. Ich will für sie da sein. Und ich bleibe zehn Tage. Mein Arbeitgeber unterstützt mich wo er nur kann. Ich kann aus der Ferne halbtags arbeiten, ohne dass mir Urlaub abgezogen wird. Das ist der absolute Wahnsinn. Und ich bin unendlich dankbar.
Meine Hoffnung ist es, dass ich ihr nach zwei Wochen bangen und warten erzählen kann, dass wir ein Kind erwarten. Daraus wird nichts. Der Schwangerschaftstest ist negativ.

Im Folgezyklus, also jetzt, soll es weiter gehen. Im Ultraschall an Zyklustag 11 sind zwei 13 Millimeter große Follikel zu sehen. Übermorgen, am Freitag muss ich nochmal hin und kann dann ich vermutlich auslösen. So habe ich es mir gewünscht. Und nächste Woche können wir dann wieder zum Transfer nach Prag fliegen.
Dann dieser Anruf meiner Schwester: Mama geht’s gar nicht gut. Sie hat aufgehört zu sprechen. Sie schläft nur noch. Sie wird bald sterben.
Na klar wird sie bald sterben. Das weiß ich. Das weiß ich schon länger. Aber hey: Jetzt wird sie BALD sterben. Scheiße. Mama wird sterben. Sie wird sterben. Und jetzt? Muss ich alles absagen? Muss ich sofort hin? Tränen! Erstmal muss ich weinen. Ich muss weinen, schreien, mich in meinen Mann fallen lassen und fluchen und wütend sein und Angst haben und trauern und verzweifeln.
Und erst dann muss ich nach Stunden wieder da sein und entscheiden: Ich entscheide mich, den Transfer nächste Woche durchzuziehen. Egal was passiert. Ich entscheide mich soviel Zeit wie möglich mit meiner Mutter zu verbringen. Und trotzdem entscheide ich mich nicht gleich zu ihr zu fahren sondern weiter zu arbeiten und sie wie geplant am Wochenende erst zu besuchen.
Und dann mal schauen …
All die Entscheidungen kann und muss ich nicht begründen. Ich vertraue meinem Gefühl.

Drückt ihr mir bitte die Daumen? Das ich weiter immer wieder das Positive inmitten des ganzen Chaos sehe? Das ich weiter immer wieder Hoffnung finde? Und das ich den Abschied irgendwie ertrage?

Danke

Autor: Die Sache mit dem Storch

diesachemitdemstorch klappt nicht. Das ist meine Geschichte.

7 Kommentare zu „Die Straße ist nicht immer eben und grad‘ deswegen: Auf das Leben!“

  1. Das ist so viel auf einmal, dass mir der Mund offen steht. Ich weiss, nichts hilft…es tut mir dennoch sehr leid.
    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen einen Transfer mit positivem Ausgang und drücke Dir selbstverständlich die Daumen!

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  2. Ich wünsche dir sehr viel Kraft!
    Vielleicht ist das jetzt ein doofer Gedanke (Dann verzeih bitte. Ich hoffe du verstehst meine Worte richtig.): Wir hatten heute selbst eine Beerdigung. Der Pfarrer las einen Psalm, den man auch zur Taufe liest und er erzählte vom Ende des Lebens und auch von dem daraus neu entstehenden Leben… Und ich blickte auf den Altar und wusste: wir haben jetzt einen Schutzengel für unseren Wunsch! Lg

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